|
|
|
|
|
MartinMechanic: Schwarzwaldbote vom 12.Mai 2005
|
| |
|
Gelungene Unternehmensnachfolge: Die drei Kinder des Firmengründers führen MartinMechanic erfolgreich weiter.
Von Kristin Barsuhn
Kreis Calw. Immer mehr mittelständische Unternehmer im Kreis Calw müssen sich einer besonders kniffligen Frage stellen:
„Wer übernimmt meinen Betrieb, wenn ich in den Ruhestand gehe?“ Viele scheitern.
Bei der Firma MartinMechanic aus Nagold gelang das Unterfangen. Bei den Martins hat alles zusammengepasst, als die Kinder den Betrieb
von den Eltern übernahmen. Die wirtschaftliche Lage war gut, die Firma auf dem neusten technologischen Stand und finanziell gesund,
die Geschwister brachten wertvolle, sich ergänzende berufliche Qualifikationen und Unternehmergeist mit in den Betrieb.
Vor allem aber verstanden - und verstehen - sie sich gut miteinander. Diese Chemie stimmte auch zwischen Eltern und Kindern:
„Bei uns gab es keinen Generationenkonflikt, weil unsere Eltern uns frei entscheiden ließen“, erklärt der 37-jährige Claus Martin.
„Als wir anfingen, ins Unternehmen einzusteigen, hat sich mein Vater sehr behutsam immer mehr zurückgezogen. Wenn man ihn um Rat
gefragt hat, hat er geholfen, wenn nicht, hat er uns gewähren lassen. Wir durften auch unsere eigenen Fehler machen.“

Das ist der Schlüssel zur erfolgreichen Unternehmensnachfolge, sind sich die drei Martin-Kinder sicher, die vor zweieinhalb Jahren
endgültig die Geschäftsführung von den Eltern übernahmen. Die Geschwister ergänzen sich auch ideal in ihrer Arbeit. »Jeder hat seine
eigenen Kunden, die er persönlich von A bis Z betreut. „Wir wissen aber auch über die Arbeit des Anderen Bescheid“, sagt die 40-jährige
Kathrin Klemke. Das befähigt sie nicht nur, sich gegenseitig vertreten zu können, sondern auch, die Probleme des anderen zu verstehen.
„Wenn man beispielsweise nur für die Finanzen zuständig ist, ist die Gefahr groß, für andere Bereiche betriebsblind zu werden“,
ist sich der 34 Jahre alte Frank Martin sicher. Der Wechsel der Generationen bei dem Iselshäuser Unternehmen MartinMechanic ist
mustergültig. Nicht weniger klassisch waren die Anfänge der Firma MartinMechanic: Vater Friedrich Martin gründete den Betrieb 1965.
„In einer Garage, hier auf dem Gelände, begann er Maschinen und Vorrichtungen für die Polstermöbelindustrie zu entwickeln“, erzählt
Frank Martin. Und Bruder Claus ergänzt: „Von zwei Gedanken wurde seine Arbeit dabei geleitet: Humanisierung und Rationalisierung. Er
wollte schwere körperliche Arbeit, wie sie damals in dieser Branche üblich war, erleichtern und Arbeitsabläufe vereinfachen.“
Diese Idee machte sich auch die Nachfolgegeneration zu eigen, wobei sie sich neuen Herausforderungen stellen musste. „Mein Vater
konnte sich voll auf die Möbelindustrie konzentrieren“, sagt Claus Martin, „aber durch die zunehmende Konkurrenz aus Osteuropa war
absehbar, dass uns in diesem Bereich die Kunden wegbrechen würden.“ Es galt, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Diese fanden die
Martins in der Robotik: „Wir haben die Automatisierung forciert“, erklärt Claus Martin. Ihr Kundenstamm ist jetzt breit aufgestellt:
„Außer Waffen und Nuklear haben wir schon alles gemacht“, fügt der Diplom-Ingenieur lachend hinzu. Mit der Kritik, sie gefährden
Arbeitsplätze mit der Entwicklung von Automatisierungen, können die JungUnternehmer leben: „Daran kommt heutzutage keiner mehr vorbei.
Entweder man hält dem Rationalisierungsdruck auf diesem Wege Stand, oder man geht ein. So gesehen, sichern wir Arbeitsplätze und
schaffen sogar Neue.“
HINTERGRUND: Unternehmensnachfolge
(kba). Deutschland wird oft als Land des Mittelstands bezeichnet. Die Zahlen bestätigen dieses Bild:
Drei Millionen mittelständische Unternehmen stellen etwa 60 Prozent aller Arbeitsplätze in der Republik. Dabei erwirtschaften die
Betriebe etwa zwei Drittel des deutschen Bruttosozialproduktes, rechnet die Industrie- und Handelskammer(IHK) vor. Neben stetig
steigendem Wettbewerbsund Kostendruck müssen sich seit den 80-er Jahren immer mehr Mittelständler einer besonders schwierigen
Herausforderung stellen: der Unternehmensnachfolge. Rund ein Viertel der mittelständischen Unternehmer ist schon heute älter als 55 Jahre.
Ein Großteil von ihnen plant, sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Von den betroffenen Betrieben
werden nach Schätzungen der IHK zirka 42 Prozent an Familienangehörige übergeben, 16 Prozent gehen an fremde Käufer. Von den etwa 380 000
Unternehmen, die in den kommenden fünf Jahren einen neuen Besitzer suchen, haben zehn Prozent noch keinen Nachfolger gefunden.
Sie haben noch detaillierte Fragen? Anfrageformular
|
| |
|
| |
|
| |
|
| |
|
| |
|
|
|